Zeitraum: 2010-2018
Obwohl ich erst Ende 2022 ins Burnout schlitterte und sich Stress und sehr belastende Situationen das gesamte Jahr über die Hand gereicht hatten, sehe ich erst jetzt, dass ich diesen Weg eigentlich schon vor Jahren eingeschlagen hatte – zumindest teilweise. Um zu verstehen, wie sich Situationen und Einstellungen bis hin zu einem Burnout stapeln können, finde ich es wichtig, auch diesen Abschnitt zu erzählen. Denn schlussendlich hatte ich schon sehr früh einen Weg gewählt, von dem ich noch nicht wusste, wo er hinführen würde.
Es gab in der Vergangenheit schon einige Hinweise und leuchtende Warnsignale, dass ich womöglich nicht immer den gesündesten Umgang mit mir selbst hatte und infolgedessen auf Stress körperlich und psychisch reagierte – so wie jeder Mensch individuell darauf reagiert.
Nichtsdestotrotz habe ich mich durch jede Erfahrung am Ende gestärkt gefühlt, da ich alles überstanden und viel gelernt hatte. Ich wusste also, was ich aushalten konnte und mutete mir deshalb immer viel zu.
Große Belastungen starteten mit der Trennung bzw. Scheidung meiner Eltern, als ich 16 Jahre alt war. Dieser drei Jahre dauernde Krieg um Geld und Unterhalt hinterließ seine Spuren, vor allem, weil ich gemeinsam mit meinem älteren Bruder viel zu früh große Verantwortung übernehmen musste, da meine Mutter damals schon schwer krank war. Diese alptraumhafte Situation zu Hause veranlasste mich, mich ehrgeizig um meine Ausbildung zu bemühen. Ich war damals schon selbstdisziplinierter als die meisten meiner Mitstudierenden. Demzufolge hatte ich mit Prokrastination nie wirkliche Probleme, da ich lieber alles immer gleich erledigt haben wollte.
Eines meiner zwei Studien gefiel mir mäßig bis gar nicht und war für mich anfangs nur ein Lückenfüller. Doch ich hatte schon so viele Kurse absolviert, dass ich es abschließen wollte, um keine „Studienabbrecherin“ zu sein. (Im Nachhinein ist das absurd, weil es nichts dagegen einzuwenden gibt, wenn einem das begonnene Studium nicht zusagt). Mit Bauchschmerzen und Stress kämpfte ich mich durch und schloss es am Ende ab. Auch mein zweites Studium (künstlerisches Musikstudium) erforderte viel Disziplin, denn, was bei anderen von selbst ging, musste ich mit Fleiß kompensieren, was hinsichtlich verschiedener künstlerischer Aspekte nicht immer möglich war. Doch auch hier kämpfte ich mich bis ans Ende und schloss erfolgreich ab. Ich verlangte sehr viel von mir und hatte extrem hohe Ansprüche an mich selbst. Während der Ferien meiner Schul- und Studienzeit arbeitete ich ohne Ausnahme, seit ich 15 Jahre alt war. In meinem letzten Studienjahr hatte ich drei verschiedene Jobs gleichzeitig und pendelte zweimal pro Woche in eine andere Stadt, um dort die letzten Kurse zu absolvieren. Im Monat meiner Abschlussprüfung betreute ich eine Konzertreise nach Polen mit 40 Personen und plante einen kleinen Umbau bei uns zu Hause. Da sich der Gesundheitszustand meiner Mutter schon immer durch Stress massiv verschlechterte, übernahm ich die Organisation dieser Renovierung und versuchte, so viel wie möglich von ihr fernzuhalten. Es funktionierte alles, weil es funktionieren musste. Das war grundsätzlich immer meine Einstellung. Aber es war schon damals extrem viel für mich.






Von links nach rechts
Bild 1-2: Konzertreise nach Polen | Ich, kurz vor Konzertbeginn
Bild 3-6: Tag der Abschlussprüfung meines künstlerischen Studiums


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