Angekommen im Burnout: Anfangssymptomatik

4–6 Minuten
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Am 29. Dezember 2022 war der Start meines Krankenstandes und der offizielle Beginn meines Burnouts. Ich hatte alles, was ich mir vorgenommen hatte, geschafft. Juhu! Dafür lag ich entkräftet im Bett und fragte mich zunächst, woher diese Schwäche kam. Es war mir völlig rätselhaft, warum ich so extrem erschöpft war.
Zu diesem Zeitpunkt konnte ich fast nichts mehr. Die ersten Tage bestanden hauptsächlich darin – endlich (!) – im Bett zu liegen und mich auszuruhen. Ich hatte ständig Kopfschmerzen, die stärker wurden, sobald ich mir die kleinste Anstrengung zumutete. Untertags musste ich die Vorhänge meines Schlafzimmers zuziehen, weil ich so lichtempfindlich war und kaum die Augen aufhalten konnte. Wenn jemand mit etwas kräftigerer Stimme sprach, dröhnte es im Kopf und ich musste darum bitten, leiser zu sprechen oder minimierte die Lautstärke meines Handys, wenn ich telefonierte. Mehrmals täglich machte sich ein lautes Geräusch in meinem Ohr bemerkbar, (Tinnitus) das zum Glück nach einigen Sekunden wieder verschwand. Ich konnte nicht lange stehen, weil es mich zu sehr anstrengte und verrichtete Dinge hauptsächlich im Sitzen oder Liegen. Stiegen versuchte ich so gut es ging zu vermeiden, weil sich dies wie die Besteigung des Mount Everest anfühlte.

Meine Kraft reichte morgens gerade mal, um zu duschen. Bis zum Frühstück war meine Energie eigentlich schon wieder verbraucht und spätestens nach diesem war ich wieder reif, ins Bett zu gehen. Was ich leider nicht immer tat. Am Vormittag ging es mir meistens am schlechtesten und am Nachmittag, nach dem Mittagstief, ging es etwas besser. Ein Zustand, der sich bis heute (8 Monate nach Beginn) nicht geändert hat – natürlich mittlerweile in gemilderter Form. 

Ich ließ mir in den ersten paar Wochen vom Hausarzt Vitamin-Infusionen geben, die aber schlussendlich kaum eine Besserung brachten. Leider steckte ich mich dort sogar mit einer heftigen Bauchgrippe an, die mich zusätzlich lahmlegte und entkräftete. Zum Glück war in diesen Tagen mein Papa sehr präsent und versorgte mich mit Nahrungsmitteln oder vorgekochtem Essen. Dafür bin ich heute noch so dankbar, denn ich hätte es alleine nicht geschafft. Ich konnte mich kaum mit jemandem länger unterhalten, weil ich nach kurzer Zeit so erschöpft vom Zuhören und Sprechen war . Schlafen war untertags nicht möglich und in der Nacht nur mit Unterbrechungen. Dementsprechend war ich auch am nächsten Morgen so gerädert, als ob ich gar nicht geschlafen hätte. Mein Körper brauchte und braucht (immer noch – Stand 8. Monat meines Burnouts) unfassbar lange Regenerationsphasen.

Es gibt Tagebucheinträge von Jänner 2023, die mir zeigen, dass ich absolut nicht verstanden hatte, in welcher Situation ich mich befand und wie ich mich in selbiger verhalten hätte sollen. Ich war teilweise produktiver als ich es heute bin, denn ich dachte, ich müsse das gewohnte Pensum noch so weiterführen, produktiv sein und meinem Tag unbedingt einen Sinn geben. Ich konnte nicht einfach nichts tun, obwohl mein Körper lautstark danach rief. Das Haus gab mir täglich Aufgaben, für die ich einerseits sehr dankbar war, weil ich nicht neue Aufgaben erfinden musste, um meinen Alltag etwas zu strukturieren, andererseits ging ich unzählige Male, – mit Betonung auf unzählige! – über meine Grenzen. Ich verstand meinen Körper nicht. Was wollte er und was konnte ich tun, damit es mir endlich nach ein paar Wochen wieder besser ging? Die Antwort darauf wäre gewesen; am besten so wenig wie möglich und so viel wie nötig, um die essentiellen Dinge zu verrichten. Aber ein Burnout verschwindet nicht einfach wieder nach nur ein paar Wochen. Es braucht Zeit. Viel Zeit. Wie viel, verstand ich erst sehr spät, nämlich mit Ende Mai, fünf Monate später, ich bin mir aber nicht mal heute im Klaren, wie viel Zeit ich für meine Genesung schlussendlich benötigen werde. Das steht noch in den Sternen. 

Natürlich waren Spaziergänge eigentlich positiv, doch besonders in dieser Anfangsphase ein Risiko und eine für mich nicht einschätzbare Anstrengung. Wie gesagt, ich ging selbst bei dieser Tätigkeit oft über meine Grenzen, weil ich dachte, es würde mir gut tun, mich in der frischen Luft zu bewegen. Ich spürte nicht, wann mein Körper sich meldete und mir zeigte, dass eine Grenze überschritten wurde. Stattdessen bemerkte ich es erst, als es wieder einmal zu spät war und ich vor Erschöpfung kaum noch aufstehen konnte. Die Überanstrengung zeigte sich stets mit einem kräftigen, schnellen Puls, der sich kaum noch beruhigte, nicht mal im Liegen. Ich verstand erst sehr spät, dass es gilt, im Moment der Grenzüberschreitung, dieser sofort mit minutenlangem Rasten (Sitzen, Liegen) entgegenzuwirken. 

Manchmal sagt ein Foto mehr als tausend Worte. So auch hier: Ein Selfie mit meinem Bruder und unserer Mama zu Weihnachten im Altersheim. Zu diesem Zeitpunkt standen mir der Umzug und die letzten abschließenden Renovierungsarbeiten aber noch bevor.
Diese Müdigkeit, die mir mit schwarzem Edding und mit Neon-Textmarker ins Gesicht geschrieben war, sah ich damals kaum. Ich hatte jegliche Wahrnehmung für meine Bedürfnisse und mein Befinden abgestellt bzw. auch zum großen Teil verlernt. Die anderen beiden Fotos entstanden in der ersten Woche meines Krankenstandes, aus dem ich bis heute nicht zurückgekehrt bin.

Ich erinnere mich auch an den Besuch einer Freundin, die einige Tage nach dem Umzug kurz vorbeikam. Ihre ersten Worte waren: „Oh mein Gott, wie fertig siehst du aus?!“. Das war eine der wenigen direkten Rückmeldungen, bezogen auf meine sichtbare Befindlichkeit. Der Besuch endete nach einer Stunde, denn ich war schon wieder am Ende meiner Kräfte und lag mit Kopfschmerzen und Übelkeit auf der Couch. 

Diese Akutphase besserte sich zum Glück nach eineinhalb bis zwei Monaten. Die Kopfschmerzen verschwanden mit der Zeit und auch die Licht- und Geräuschempfindlichkeit verbesserte sich merklich. Der Tinnitus sowie Konzentrationsstörungen begleiteten mich noch Monate. Meine Fitness und körperliche Belastbarkeit haben sich ebenfalls gebessert, allerdings ist auch nach acht Monaten ein Spaziergang im Flachen nur für maximal 30 Minuten möglich. An manchen Tagen schaffe ich allerdings nicht mal 30 Minuten. Mehr zur Symptomatik erfahrt ihr in den nächsten Beiträgen. 

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