In zwei bis drei Wochen bin ich wieder fit

3–4 Minuten
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Wie schon im Beitrag „Angekommen im Burnout: Anfangssymptomatik“ kurz erwähnt, konnte ich meine Erschöpfung nicht einordnen. Dass ich mich in einem Burnout befinden würde, war für mich unvorstellbar. Die Begründung für meinen Zustand mir selbst und auch allen Personen in meinem Umfeld gegenüber war, dass ich „ja nicht depressiv sei“ und deshalb nicht in einem Burnout sein könne. Ich verstand nicht, dass Depressionen nicht zwangsläufig mit einem Burnout zusammenhängen. Jetzt im Nachhinein kann ich feststellen, dass sich eine leichte Depression definitiv nach Monaten im Krankenstand eingeschlichen hatte und vielleicht schon vorher ein schleichender Begleiter war. Anfangs war ich noch voller Elan und Motivation und dachte, es läge nur an der richtigen Einstellung, um alles zu schaffen, was ich mir vorgenommen hatte. Dabei ignorierte ich meinen Körper und seine Bedürfnisse. Andererseits hatte ich aber zu Beginn hauptsächlich körperliche Beschwerden und war davon überzeugt, dass es auch eine physische Ursache hatte, warum ich mich so fühlte. Wenn man Beschreibungen von Burnout-Patient:innen hört, scheint diese Annahme zunächst nicht ungewöhnlich, da einem anfangs die objektive Sicht auf die tatsächliche Situation fehlt. 

Ich verbrachte also meinen Burnout-Beginn mit der täglichen Hoffnung aufzuwachen und wieder fit und genesen – wovon auch immer – zu sein. Meine Kalkulationen, ab wann ich wieder fit sein würde, bewegten sich im Wochenbereich. Nach den offiziellen Weihnachtsferien war mir zwar klar, dass mein Krankenstand noch andauern würde, jedoch sprach ich damals mit meiner Chefin über ca. drei Wochen Krankenstand. Ich wartete etwas ungeduldig auf wesentliche Besserung, die leider nie eintrat und sah mich bereits nach ärztlicher Hilfe um, denn diesen Zustand wollte ich schlichtweg nicht akzeptieren. Mein Hausarzt war leider absolut auf der falschen Fährte, denn er führte die Schwäche auf einen Infekt zurück, der ein Jahr zurücklag. Eine andere Vermutung seinerseits lag auf Long-Covid bzw. auf Nebenwirkungen aufgrund der Corona-Impfung. Meine psychische Befindlichkeit wurde zwar kurz abgefragt, aber mit meiner Begründung, ich sei ja nicht depressiv und ohnehin ab und zu in psychologischer Betreuung, wurde dieses Kapitel schnell wieder geschlossen. Ich hatte sogar kurz mit meiner Psychologin telefoniert, die meinte, es könne sich theoretisch auch um eine Post-Belastungs-Depression handeln, doch dem brachte ich mein Lieblingsargument entgegen, dass ich nicht depressiv sei. Somit war dieses Thema auch abgehakt. 

Überweisungen seitens meines Hausarztes zu einem Facharzt oder für Therapien, die eventuell hilfreich für mich sein könnten, fanden nicht statt, denn das wäre “ja nicht notwendig”. Durch einen Freund bekam ich den Hinweis, ich solle doch einmal zu einer ihm bekannten Ärztin gehen, die sich mit der Therapie von Long-Covid auseinandersetzt. Ich vereinbarte anschließend einen Termin bei dieser Ärztin, die nach zehn Minuten Gespräch schon eine Diagnose parat hatte: Mein Zustand sei durch meine häufigen Corona-Infektionen zu erklären und sie würde mir eine Infusionstherapie bei ihr anbieten. Ich war irgendwie erleichtert, dass jemand zumindest dachte, er könne mir helfen, da ich mittlerweile schon recht verzweifelt war, dass sich mein Zustand nicht von selbst besserte. Im Nachhinein finde ich diese schnelle Diagnostik und den Therapieansatz etwas unseriös, denn die Vermutung für diese Diagnose wurde ohne umfangreiche Untersuchungen gestellt. Erst nach begonnener Therapie erfuhr ich, dass eine Sitzung ca. 200 Euro kosten würde, worin ich die Erklärung für das Tempo der Diagnosestellung fand. Trotzdem willigte ich zu dieser Therapie ein, denn es bestand zumindest die Chance auf schnelle Besserung. Laut Ärztin würde es ungefähr sechs Wochen dauern, bis ich wieder fit wäre. Dies kommunizierte ich auch meiner Chefin, die recht skeptisch war, was die vermutete Diagnose betraf. Ich selbst klammerte mich, wie bereits erwähnt, mit Hoffnung an diese Vermutung, denn es war für mich nicht möglich, klar zu sehen, warum ich in diesem Zustand war. 

Nach acht Infusionen brach ich schließlich die Therapie ab, denn sie brachte mir keine Besserung. Die dadurch entstandene finanzielle Belastung kann man sich ausrechnen – und es war alles völlig umsonst. 

Dies war aber nur die erste von vielen Stationen, die ich auf der Suche nach einer Diagnose durchlaufen musste.

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