Sechs Monate im Burnout

2–3 Minuten
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Juni 2023

Auch wenn das sechste Monat meines Burnouts schon vor einiger Zeit zu Ende ging, möchte ich in diesem Beitrag einen Einblick geben, wie es mir zu diesem Zeitpunkt erging. Hätte mich im Jänner jemand gefragt, wo ich denn im Juni sein würde, hätte ich gesagt: „Natürlich im Büro arbeiten, wo denn sonst?“. Niemals hätte ich gedacht, nur ein paar Schritte vorangekommen zu sein und erst am Anfang meines Heilungsprozesses zu stehen. Was hat sich also verändert und wie sieht mein Alltag im Moment aus? 

Gewisse Symptome sind durchaus weniger geworden: Dazu zählen das Ohrgeräusch (Tinnitus) und die akustische und visuelle Reizüberflutung. Ich fühle mich jedoch immer noch schnell körperlich überlastet und meine Konzentration lässt sehr zu wünschen übrig. Nach ungefähr einer Stunde Gespräch mit einer Person werde ich sehr müde, beginne ununterbrochen zu Gähnen und es fällt mir schwer der Unterhaltung inhaltlich zu folgen. Gruppengespräche verkürzen meine Aufmerksamkeitsspanne zusätzlich, da es viel anstrengender ist, Geräusche bzw. Sprache aus den parallel laufenden Gesprächen zu filtern. Durch die vor kurzem begonnene Therapie mit Antidepressiva leide ich häufiger an Schlafstörungen, was bedeutet, dass ich um ca. 3:00 Uhr morgens aufwache. Wieder einschlafen gelingt leider nur mit einem kleinen Nachschub meiner Schlafmedikamente. 

Meine Grundstimmung ist im Moment zunehmend heiter und die Nebenwirkungen der Antidepressiva klingen langsam ab. (Mehr zu den Nebenwirkungen kann man im Beitrag “Meine Erfahrung mit Antidepressiva” nachlesen) Natürlich sind auch Konzentrationsstörungen meine täglichen Begleiter, die je nach Tagesverfassung stärker oder schwächer ausgeprägt sind. 

Bei körperlicher Anstrengung, wie zum Beispiel, einkaufen zu gehen, Wäsche zu waschen, oder im Ausnahmefall ein kleines Stück Rasen zu mähen, springt mein Puls sehr schnell in die Höhe, ich bin außer Atem und fange an zu schwitzen. Ja, Rasenmähen ist auch für gesunde Menschen anstrengend, aber für mich fühlt es sich an, als ob ich mit dem ganzen Körper ständig Kraftübungen ohne Pause absolvieren würde. Alle benutzten Muskeln brennen, ziehen und schreien nach Entspannung und Regeneration. Mein Puls beruhigt sich erst dann wieder, wenn ich mich für zehn Minuten hinsetze, mich nicht bewege und keine Muskeln anspanne. Manchmal schaffe ich mit diesen Pausen sogar, Dinge zu Ende zu führen. 

Ein Spaziergang ist im Moment für 30 Minuten in langsamem Tempo ebenerdig möglich. 

Mein Alltag ist von Verabredungen mit Freund:innen, Malen, Blog-Schreiben und Haushaltstätigkeiten geprägt. Wobei Letzteres wie Einkaufen, Wäschewaschen, Putzen und Kochen den Großteil meiner Zeit in Anspruch nehmen, weil ich immer wieder längere Pausen einbauen muss und nicht alles an einem Tag schaffe. Außerdem lässt mich die Villa Kunterbunt wieder von vorne beginnen, sobald ich einmal durchgeputzt habe… 

Die erste Hitzewelle in diesem Sommer beeinflusste mein Befinden sehr stark, denn ich fühlte mich bei schwülen Temperaturen wie erschlagen. Was für mich früher kein Problem war – im Gegenteil, ich genoss Hitze und Wärme – ist in meinem Zustand momentan eine Belastung. Allerdings ist es auch eine super Ausrede, um meiner momentanen Lieblingsbeschäftigung nachzugehen: im Schatten auf einer Liege im Garten Eiskaffee zu schlürfen. 

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