Wenn Zeit nicht heilt: Warum mein Burnout länger dauert als gedacht

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Vielleicht habt ihr euch gefragt, warum es nun länger still um meinen Blog war. Leider geht es mir schon eine Zeit lang nicht gut und ich hatte keine Energie um zu schreiben. Diesen Beitrag habe ich mit Spracherkennung am Handy verfasst, eine sehr energiesparende Variante. Eine Audioversion gibt es aber diesmal leider nicht. Hier nun ein nicht so erfreuliches Update.

Schon oft musste ich die von mir festgesetzte Zeitgrenze, in der ich mein Burnout ganz bestimmt überwunden haben werde, revidieren. Ich dachte, nach ein paar Monaten wird das alles wieder gut sein. Dann war es ein Jahr, dann wurden es eineinhalb Jahre. Schließlich rechnete ich mit zwei Jahren und war mir sicher, dass es mir zumindest wesentlich besser gehen würde und ich wieder teilweise zu arbeiten beginnen könnte. Aber ich wurde wieder eines Besseren belehrt. 

Der einzige Unterschied zu den vorherigen Malen ist, dass ich mittlerweile schon erste Schritte in den Wiedereinstieg in das Berufsleben eingeleitet habe. Ich nehme am Unternehmensgründungs Programm des Arbeitsmarkt Services Teil. Was bedeutet, dass ich mich als Künstlerin selbstständig machen möchte.

Es war geplant, dass ich spätestens mit März auch wieder zusätzlich arbeiten gehen werde. Dieses Vorhaben ist leider in eine weit entfernte Zukunft gerutscht. Die Kunst bleibt mir immer bringt aber auch Stresssituationen mit sich, aber dazu später. 

Ich wusste nicht, wie tief ich wieder fallen kann. Obwohl der Fall nicht abrupt geschah, war die Landung durch die kontinuierliche Spirale nach unten, dennoch sehr hart. Es war eine Aneinanderreihung von Aktivitäten oder Ereignissen über einen längeren Zeitraum, die unter Veränderung meiner Grenzen – die ich selbst nur dann spüre, wenn es schon zu spät ist – leider alle zu viel waren. An anderen Tagen zu einer anderen Zeit waren sie es nicht. Deshalb fällt es mir so schwer zu verstehen, was mein Körper an einem bestimmten Tag, in einem bestimmten Moment schafft und was nicht. Es ist, als ob man ein Spiel spielt, von dem sich die Spielregeln währenddessen ständig ändern. In letzter Zeit litt bzw leide ich an Symptomen, die ich schon seit Beginn nicht mehr verspürt hatte: ständiger Tinnitus, Reizüberflutung nicht nur punktuell wie im August, sondern über Tage, d.h keine Serien, kein Lesen, keine langen Gespräche mit Freunden, zweitweise keine Telefonate, nur Podcast hören ging von Zeit zu Zeit. Generell Ablenkung war bzw ist kaum möglich. Duschen und Haarewaschen erledige ich im Sitzen, und nach dem Föhnen bin ich wieder bereit, mich ins Bett zu legen. Lasst euch nicht von meinem Instagram Account täuschen, ich hatte viel Inhalt vorproduziert und in so manch gutem Moment versuche ich wenigstens dort für mein Business etwas zu machen, das gibt mir nämlich etwas Auftrieb.

Ich durfte erfahren, wie es ist, wenn man als Fatigue Patientin – denn die Symptome sind ja fast überall die selben – den ganzen Tag auf die Decke starren muss weil nichts anderes möglich ist. Sobald ich mich auch nur etwas anstrengte und somit an meine Grenzen geriet, bekam ich Kopfweh, schwitzende Hände, ein lautes Rauschen in den Ohren und Herzklopfen. 

Es ist vor allem psychisch eine enorme Herausforderung, mit den Symptomen umzugehen und Tag für Tag zu warten, bis es endlich ein wenig besser wird. Vor allem wird es manchmal auch wieder schlechter, weil ich meine Grenzen – die sich ja ohnehin jeden Tag neu formen – übersehe.  Ich bin ganz ehrlich: es fällt mir nicht leicht positiv zu bleiben, ich bin frustriert, genervt, verzweifelt und manchmal überkommt mich das Bedürfnis zu weinen, obwohl ich genau weiß, dass es mir danach nicht besser gehen wird, denn es ändert nichts an meiner Situation. Aber am häufigsten bin ich einfach nur traurig, dass ich nicht am normalen Leben teilnehmen kann. Ich wünschte, ich hätte auch Alltagsgeschichten aus dem Job oder aus meiner Freizeit zu berichten, von Reisen, und von Erlebnissen, von Plänen und Perspektiven. manchmal nervt es sogar ein bisschen wenn ich diese alltäglichen Geschichten höre und ich das Gefühl habe, der oder diejenige weiß gar nicht zu schätzen, dass er/sie dies überhaupt erzählen kann, dass gewöhnliche Dinge überhaupt möglich sind. Für mich sind sie es eben nicht. Das einzige, wovon ich berichten kann, ist meine Kunst und die bevorstehenden Termine. Es gibt mir Aufwind, dass ich weiß, dass meine Kunst gut ankommt und ich bei der vergangenen Ausstellung einiges verkaufen konnte. Allerdings zählt auch dieser Bereich zu den anstrengenden Dingen, die für mich im Moment zu viel sind. 

Meistens versuche ich mich mit Dankbarkeit durch den Tag zu begleiten. Das funktioniert meistens auch ganz gut.

Es fällt mir aber enorm schwer fest daran zu glauben, dass es bald besser werden wird, wenn ich mich im selben Moment wie ein Häufchen Elend fühle. Gute Vorsätze oder gar positive Affirmationen fühlen sich dann manchmal wie Lügen an.

Besonders in diesen Momenten kommen selbstverständlich auch altbekannte, Ängste hinzu. Ich habe praktisch Angst vor jedem Termin, vor allem vor meinen bevorstehenden Vorhaben: Mitte und Ende November sind zwei Kunstausstellungen geplant, die nur einmal jährlich stattfinden. Für mein Vorankommen wären die beiden Messen sehr wichtig, damit ich mehr Bekanntheit erlange und weil es nicht so viele Gelegenheiten gibt, Kunst direkt zu verkaufen. Mein Geist wäre so motiviert, aber mein Körper macht da nicht mit. Als ich mich zu den Messen angemeldet hatte, ging es mir um einiges besser und irgendwie war ich auch etwas übermütig – wie es scheint. Wie ich diese sehr intensiven zwei Wochenenden irgendwie überstehen soll, weiß ich im Moment nicht. Ich kann mir nicht mal vorstellen, mich auch nur eine einzige Stunde in diese Messehalle zu stellen. Zum Glück habe ich viel Unterstützung von meiner lieben Familie und großartigen Freundinnen und Freunden. Irgendwie wird es schon gehen. Allerdings hoffe ich ohne weiteren Crash, denn jeder Crash zieht mich noch weiter in die Tiefe. Drückt mir die Daumen.

Ein Messgrat meiner Entwicklung im Umgang mit meinen Tiefs ist definitiv meine mittlerweile errungene Bereitschaft Termine beziehungsweise Verabredungen mit Freundinnen abzusagen. Zum Glück wissen ja alle um meine Situation und begegnen mir mit großem Verständnis und stets lieben Worten und aufbauenden Wünschen. Dafür bin ich so dankbar, denn das reduziert mein schlechtes Gewissen und auch mein schlechtes Gefühl, unverlässlich zu sein. Ich bin immer wieder positiv überrascht und unendlich dankbar, wie viele Menschen an mich denken und mich unterstützen, wo sie nur können. 

Ein Burnout ist nicht planbar, auch wenn mein Kopf das gerne übernehmen würde. Eine Erkenntnis, die ich hoffentlich ein für alle Mal begriffen habe und mir selbst die Zeit gebe, die ich brauche. Ob es zwei Jahre sind zweieinhalb drei oder vier, es dauert, solange es dauert. Ich kann nichts beschleunigen, ich kann es nur verlangsamen, indem ich mich ständig überfordere. Und diese Lektion ist wohl die schwierigste, die ich zu lernen habe.

Falls ihr bei den Messen vorbeikommen wollt, hier die Termine. Ich kann euch allerdings nicht versprechen, dass ich selbst vor Ort sein werde, meine Kunst wird es jedenfalls sein. 🙂

AK-Kunstmarkt

16. und 17. November, 

10:00 bis 17:00 Uhr

Dogana, Congress Innsbruck

Freier Eintritt

Kreativmesse 

22. bis 24. November 

10:00 bis 17:00 Uhr 

Messehalle, Innsbruck 

Tagesticket: 7,-
Ich habe vereinzelt Tickets zur Verfügung. Meldet euch gerne, ihr müsstet sie allerdings bei mir abholen.

Vielleicht wollt ihr ja auch mal auf meiner Website vorbeischauen www.esthetic-art.com.

Alles Liebe, 

Esther

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