Therapieansätze bei Burnout und Fatigue: Mein persönlicher Erfahrungsbericht

9–14 Minuten
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Zu lange habe ich mich zurückgelehnt und darauf gewartet, dass es „endlich“ von selbst besser wird. Eine wesentliche Besserung war ja schon mal im vergangenen Sommer eingetreten, wieso also nicht nochmal?
Dieser Beitrag wird etwas länger, teilweise sehr theoretisch und soll vor allem für Betroffene einige Therapie-Ideen liefern. Anmerkung: Dieser Blogartikel ist kein wissenschaftlicher Artikel, sondern soll lediglich einige Therapieansätze erläutern und meine persönliche Erfahrung damit schildern. Ihr findet hier Erfahrungsberichte und Erklärungen über Hämolaser-Therapie, Mikronährstoff-Therapie, Atmung, Vagusnervstimulation, Hypoxietraining und Spaziergänge.

Update

Im Dezember war ich wohl etwas zu mutig, denn mein geplanter Apulien Urlaub fiel in einen Crash, der verursacht wurde, weil ich unter anderem mit dem Bus in die Stadt gefahren bin und eine Stunde Psychotherapie hatte. Auch nicht in meinen Träumen wäre die achtstündige Anreise nach Apulien also möglich gewesen, vor allem zu Uhrzeiten, wo ich normalerweise schon seit Stunden schlafen würde… 

Also gut, ich musste mich wieder mal meinem Burnout beugen, allerdings ist aufgeschoben nicht aufgehoben; die Möglichkeit einen Freund dorthin zu begleiten und dort mit ihm am Meer Zeit zu verbringen, besteht noch öfter in diesem Jahr. Wer weiß, vielleicht kann ich ja dann sogar ins Meer hüpfen. Die Hoffnung stirbt zu Letzt! 

Mein Kurantrag hat sich zu einer Hürde entwickelt, die es zu bewältigen gilt: Es wurde mir zunächst eine ambulante Reha in der Stadt genehmigt. Ihr ahnt es schon: Ich müsste jeden Tag mit dem Bus dorthin fahren, was nach Erschöpfung und Crash nur so schreit. 

Ich habe der zuständigen Anstalt erklärt, dass diese Variante für mich nicht möglich sei und generell eine Reha für mich zu anstrengend sei, da ich starke Fatigue Symptome habe. 

Daraufhin erhielt ich eine Woche später – ohne eine Antwort zu erhalten, versteht sich – einen Anruf aus einer nahegelegenen stationären Reha-Einrichtung. Ich war etwas überrascht, dass meiner Bitte, keine ambulante Reha zu machen, zwar nachgegangen wurde, meine Bitte um eine Kur jedoch wiederum ignoriert wurde. Nach Absprache mit der zuständigen Person der stationären Reha-Einrichtung kamen wir zu dem Schluss, dass diese Variante wohl wahrscheinlich zu anstrengend wäre. Ein großer Teil der Tagesstruktur besteht nämlich während dieser Reha darin, dass man sich viel in Bewegung in der freien Natur aufhält – eine Aktivität, die ich aktuell nicht in diesem Ausmaß absolvieren kann. 

Es ist ein vor und zurück, ein hin und her. Ich bin mittlerweile wieder am Anfang, weil die Rehabewilligung zurückgezogen wurde mit dem Hinweis, dass diese vermeintlich zuständige Stelle eben nicht zu ständig ist. Passierschein A38 vom Feinsten! Ein Wahnsinn!

Therapiemuffel – Angst vor den Konsequenzen

Ich war noch nie gut darin, mir sofort selbstständig Hilfe zu organisieren, wenn es mir mal nicht gut ging. Das hängt auch viel mit der Verantwortung zusammen, die damit einhergeht und die man dadurch für sich selbst übernimmt. Obwohl ich ein sehr eigenständiger und unabhängiger Mensch bin, habe ich mich immer vor großen Entscheidungen gedrückt. Ich hatte Angst vor den Konsequenzen, davor dass ich falsche Entscheidungen treffe, oder dass sich aufgrund dessen Dinge in eine unangenehme Richtung entwickeln. Monatelang schob ich die Recherche für meinen Master auf. Ich wusste, ich konnte mein Masterstudium nicht in meiner Heimat absolvieren, da es nicht angeboten wurde. Also drückte ich mich nicht nur vor der Entscheidung, sondern in erster Linie vor der Suche nach geeigneten Unis. Bis ich mir dann endlich einen Ruck gab und doch noch eine gute Lösung für mich fand. Am Ende war dann wie bekannt alles halb so schlimm… 

So oder so ähnlich fühlt sich das auch mit meinem Burnout an. Solange ich nicht weiß, welche Therapien es gibt, kann ich mich auch nicht dafür oder dagegen entscheiden – also falsch entscheiden, aber vor allem weiß ich auch nicht, welche Therapien NICHT wirken. Das würde mir nämlich die Hoffnung rauben und die Erkenntnis liefern, alles versucht zu haben und doch keine Besserung zu erlangen. Wenn ich das so schreibe, klingt das so unlogisch. Ich möchte ja, dass es mir besser geht, ich möchte aus diesem Kreislauf aussteigen! 

Zum Glück hat das neue Jahr diesen Ruck bzw. Tritt in den Hintern mitgebracht. 

Hämo-Lasertherapie

Durch einen Hinweis aus dem Bekanntenkreis einer Long-Covid-Patientin kam ich auf eine Therapie, die sowohl bei Fatigue, als auch bei LC und ME/CFS Besserung verspricht. Es handelt sich dabei um eine Hämolasertherapie, bei der das Blut direkt über einen Zugang in der Vene bestrahlt wird. Dadurch verändern sich die Eigenschaften der roten Blutkörperchen, sodass diese mehr Sauerstoff transportieren können. Es wirkt außerdem positiv auf die Mitochondrien. Eine genaue Erklärung wie das Prinzip funktioniert findest du hier. Zum Glück gibt es einige Ärzte in meiner Umgebung, die diese Therapie anbieten. Ich bekam sehr schnell einen Termin. Die Tatsache, dass ich zum ersten Termin meinen Papa als Chauffeur benötigte, dient hier als Indikator für meine Fitness. Mittlerweile habe ich fünf Sitzungen hinter mir und bin zwischenzeitlich selbstständig zur Therapie gefahren, habe aber die gewonnene Energie wieder verspielt, weil ich wieder viel zu viel getan habe. Die Kunst ist immer wieder die neuen Grenzen auszuloten und nicht zu überschreiten und das gelingt mir sichtlich schlecht. Ich ärgere mich im Nachhinein so über mich selbst und nehme mir vor, beim nächsten Mal vorsichtiger zu sein. Tja, wie oft ich mir das schon vorgenommen habe, gleicht einem Cabaret.

Die Lasertherapie ist leider keine Kassenleistung und muss selbst bezahlt werden. Dankbarerweise habe ich eine Sponsorin und kann so noch einige Sitzungen in Anspruch nehmen. Ich hätte zwar nur noch eine Sitzung, möchte aber um zwei weitere noch verlängern. Danach werde ich mal eine Pause einlegen und etwas anderes probieren:

Mikronährstofftherapie

Die nächste Therapie, die ich nach der Lasertherapie ausprobieren möchte, ist eine Mikronährstofftherapie. Dabei werden die Nährstoffspeicher direkt in der Zelle angesprochen und aufgefüllt. Diese können nämlich von den Werten im Blut abweichen. Dazu habe ich einige Werte bereits abnehmen lassen, die speziell auf diese Füllstände hindeuten. Es scheint bei mir ein Wert erhöht zu sein, der darauf hinweist, dass meine Zellen Stress haben – Oxidativen Stress. Von oxidativem Stress spricht man, wenn das Gleichgewicht zwischen freien Radikalen (Prooxidantien) und Radikalfängern (Antioxidantien) im Körper aus den Fugen geraten ist. Freie Radikale an sich sind nicht grundsätzlich schlecht. Sie werden von Natur aus bei vielen Stoffwechselprozessen (z. B. der Zellatmung) gebildet, ohne im Normalfall zu einem Problem zu werden, und sind zum Beispiel bei der Abwehr von Krankheitserregern sehr dienlich.

Freie Radikale erzeugen jedoch Stress, wenn ihr Gegengewicht – unser antioxidatives Schutznetzwerk – es nicht mehr schafft, diese reaktionsfreudigen Teilchen in Schach zu halten, und Zellen sowie Stoffwechselvorgänge dadurch unter oxidativen Beschuss geraten.

Soweit so gut. Dieses Kapitel gehe ich aber erst nach meiner Lasertherapie an und werde euch dann berichten, was meine Ärztin für Maßnahmen bzw. Infusionen o.ä. vorschlägt. Hier geht’s zur Quelle

Atmung

Wie wichtig Atmung ist lerne ich gerade mit einem sehr empfehlenswerten und lesenswerten Buch “Breath-Atem“ von James Nestor. Dieser New York Times Bestseller ist eine Reise durch Experimente und Studien, die anschaulich und spannend erklärt wird. Ich bin noch nicht mal bei der Hälfte des Buches und schon absolut begeistert. Ich habe das Gefühl schon bewusster zu Atmen und den Atem als Instrument einsetzen zu können. In diesem Buch sind auch einige Atemtechniken beschrieben, die ich bereits ausprobiert habe. Nicht jede Atemübung ist entspannend, manche sind anregend und vor allem anstrengend. Speziell, wenn man einen bewussten Sauerstoffmangel hervorruft. Diese Übung simuliert ein Höhentraining bzw. Hypoxietraining, das in der Medizin als Trainingsmethode auch bei LC und Fatigue eingesetzt wird. Damit wären wir bei der nächsten Therapieform, die ich gerne ausprobieren möchte: 

Lesetipp

»Rund 10 000 Atemzüge braucht es, sein Buch durchzulesen, sagt James Nestor. Die Mühe lohnt – nicht nur wegen der erstaunlichen Fakten und Geschichten zu Atmen und Gesundheit. Dazu ist das Buch auch ein Selbstversuch und gerade deshalb so überzeugend.« („P.M.“)
»Nestor hat eine wunderbar leichte und mitreißende Schreibart« („BÜCHERmagazin“)


Hypoxietraining

Ohne das erwähnte Buch, wäre ich wahrscheinlich nicht auf diese Therapiemethode gekommen. Man kann dieses Training nicht nur durch Atmung simulieren, sondern auch mit einem Gerät – eine kontrollierte und überwachte Variante. Als ich nach Ärzten suchte, die diese Therapie in meiner Nähe anbieten, war ich erstaunt wie viele schon mit dieser Technik arbeiten. Vor allem im Sportmedizinischen Bereich wird viel damit trainiert. Intervall Hypoxie Hyperoxie Training (IHHT) ist bioenergetisches Zelltraining – Training, das Zelle für Zelle frischer macht. IHHT entstand aus dem ursprünglichen Bergluft-Training, auch Höhentraining genannt. Dass man damit vorzeitigen Alterungsprozessen vorbeugen bzw. diese verlangsamen kann ist der Tatsache zu verdanken, dass sich im Gegensatz zu einem reinen Aufenthalt in der Höhe die Sauerstoffzufuhr individuell regeln lässt und das Training auf normaler Höhe stattfindet. Dabei wird dem Körper in bestimmten Intervallen Sauerstoff entzogen (Hypoxie) und Sauerstoff zugeführt (Hyperoxie). Es wird also zum einen Höhe simuliert, zum anderen extra Sauerstoff gegeben. Dieser Prozess begünstigt die Zellregeneration, wobei besonders die Mitochondrien, die Kraftwerke und Fettverbrennungsöfen in unseren Zellen, positiv auf diese Reize ansprechen. Kaputte Mitochondrien werden eliminiert, neue, leistungsfähige Mitochondrien werden gebildet. Hier geht’s zur Quelle

Vielleicht kommt euch der Schmäh mit den Mitochondrien bekannt vor: Genau, darauf zielt auch in ähnlicher Weise die Hämolasertherapie ab. 

Jedenfalls ist das Hypoxietraining mein übernächster Therapieschritt. 

Vagusnerv Stimulation

Auf diese Therapie bin ich durch eine befreundete Ärztin gekommen, die sich ein Vagusstimulationsgerät für ihre Praxis zugelegt hat und mir angeboten hat, dieses ausprobieren zu können.

Der Vagusnerv ist der längste Nerv des parasympathischen Nervensystems und verbindet das Gehirn mit verschiedenen Organen wie Herz, Lunge und Verdauungstrakt. Er spielt eine zentrale Rolle bei der Regulierung von Entspannungsprozessen, der Herzfrequenz und der Verdauung.

Die Vagusnervstimulation zielt darauf ab, den Parasympathikus zu aktivieren und so Stress zu reduzieren, die Herzfrequenz zu senken und eine allgemeine körperliche und geistige Entspannung zu fördern. Man kann diese Stimulation durch Atemübungen, Kälteanwendungen, Summen oder gezielte medizinische Geräte erwirken. (Quelle) Folgende Geräte habe ich ausprobiert: Nurosym, und Sensate. Das Nurosym-Gerät wird an das Ohr angeklemmt und gibt dort dann kleine elektrische Impulse ab. Es ist wohl das beste aber auch das teuerste Gerät auf dem Markt. Kostenpunkt ca. 700€.

Das Sensate-Gerät ist fast um die Hälfte günstiger, hat aber auch einen ganz anderen Mechanismus: Das handflächengroße Gerät legt man auf sein Brustbein. Durch eine App kann man verschiedene Modi einstellen und hört auch unterschiedliche Musik. Das Gerät vibriert in verschiedenen Frequenzen und Rhythmen.

Beide Geräte haben einen entspannenden Effekt, allerdings, hatte ich das Gefühl, dass das Nurosym-Gerät mir noch mehr Energie raubt. Bzw. waren meine Gliedmaßen danach unangenehm schwer und erschöpft. Das Sensate-Gerät habe ich behalten und verwende es immer wieder mal, es entspannt mich und das Vibrieren ist sehr angenehm. Auch hier möchte ich versuchen eine Regelmäßigkeit aufzubauen, damit der Effekt umso größer ist.

Osteopathie und TCM

Für einen Osteopathietermin habe ich mich bereits angemeldet, für einen Termin bei einem TCM- Praktiker (Traditionell Chinesische Medizin) werde ich dann nach meiner Osteopathie ansuchen. 

Spaziergänge

Besonders wenn ich im „Crash“ bin schlägt mein Herz sehr angestrengt, ich habe bei kleinsten Aktivitäten einen sehr hohen Puls und kann dies leider auch schwer regulieren (mit Atmung etc.) Außerdem – und das ist etwas, was ich erst seit kurzem verstehe – sind meine Muskeln ständig unterschwellig angespannt, ohne dass ich dies bewusst steuern kann. Auch Entspannungsübungen helfen hier nur bedingt. Ich sage euch, das ist ziemlich anstrengend, weil ein sich „kurz hinlegen und ausruhen“ gar nichts bringt, weil die benötigte Entspannung nicht eintritt. 

Diese Woche habe ich einen Versuch gemacht und bin trotz Herzbeschwerden und Muskelanspannung – und obwohl ich mich wirklich nicht dazu gefühlt habe – spazieren gegangen. Langsam, in Schneckentempo und ca. 20min. Es hat mir so gutgetan! Das Herz habe ich zwar immer noch gespürt, aber ich war danach nicht mehr so angespannt. 

Warum ist das so? 

Anscheinend wird durch Bewegung die antioxidative Fähigkeit von Gewebe gefördert. Diese Antioxidantien binden wiederum die freien Radikale im Blut – dieses Thema hatten wir schon weiter oben bei der Mikronährstofftherapie, erinnerst du dich? Hier geht’s zur Quelle (S.15) 

Allerdings ist hier die Gefahr, dass ich mich wieder überanstrenge, groß. Es hat alles eine Kehrseite der Medaille. Ich versuche aber mit täglichen Spaziergängen nun meine freien Radikale in Schach zu halten bzw. sie zumindest einzudämmen. 😉 

Das ist also mein Plan für die nächste Zeit:

Die Lasertherapie beenden, eine Mikronährstofftherapie beginnen, ein Hypoxietraining ausprobieren, und als Sahnehäubchen Osteopathie und TCM. 

Drückt mir die Daumen, dass mir diese Therapien eine wesentliche Besserung bringen, aber vor allem drückt mir die Daumen, dass ich mit meinen neu gewonnenen Energien nicht gleich wieder Poker spiele und alles verliere. Es ist einfach soo schwer meinem Kopf beizubringen, dass er nicht wieder zu viel möchte, sobald es mir besser geht…

Ich hoffe, dass ich für Betroffene einige Ideen für mögliche Therapien liefern konnte. 

Nicht bei jedem hilft dasselbe. Ich kann euch hier nur weiter von meinem persönlichen Weg berichten, aber jeder muss seinen eigenen (Therapie-)Weg selbst gehen. 

Alles Liebe, gebt nicht auf!

Esther 

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