Höhen und Tiefen

4–5 Minuten
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Die vergangenen Wochen hatten es definitiv in sich. Es hat sich einiges getan, ich war über- und unterfordert, ich kämpfte mit mir selbst, mit meinen Gefühlen, meinen Vorstellungen. Ich hatte Highs, ich hatte Lows. Die Lows waren tief und die Highs waren kurz. Es geht mir körperlich besser, was die Balance verändert hat. Es ist wohl das persönlichste Update über meinen Zustand bisher nach einem Jahr und fünf Monaten im Burnout.

Manchmal rutscht mir der Gedanke „im Burnout gewesen zu sein“ raus, bevor ich nocheinmal darüber nachdenken kann. Es ist ein Gefühl, das sich langsam in den letzten Wochen eingeschlichen hat, vor allem weil mein körperlicher Zustand einige „neue“ Aktivitäten erlaubt. – Ja das habe ich schon öfter behauptet und musste dann wieder zurückrudern – Aber so ist das im Burnout. Mein Stiefbruder und ich, der ebenfalls im Burnout ist, haben festgestellt, dass es eine Zickzack-Bewegung nach oben ist. Man fällt immer wieder zurück, kommt zwei Schritte weiter und fällt erneut zurück. Das klingt jetzt ziemlich abgebrüht und so, als ob ich über den Dingen stehen würde… Natürlich kämpfe ich mit genau dieser Thematik! Fest steht: Das Zickzack ist wahnsinnig anstrengend und es nervt. Die Highs und Lows spüre ich momentan besonders intensiv durch körperliche Symptome, wie Enge im Brustbereich, Unruhe etc. Ich habe zwar das Gefühl, dass die Antidepressiva Schlimmeres verhindern (Panikattacken o.Ä.) aber sie schießen mich in den Highs ziemlich weit hinauf, was ebenfalls zu den genannten Symptomen führen kann.

Dass ich das Gefühl habe, nicht mehr mit beiden Beinen tief im Burnout zu stecken, hängt damit zusammen, dass sich nun eindeutig mehr sportliche Aktivitäten ausgehen. Eine ganze Stunde spazieren mit Steigung, eine ganze Stunde Radfahren und 20 Minuten Laufen waren die Highlights der letzten Zeit.

Zugegeben, die körperliche Ertüchtigung hilft mir durch die Krisen und Gedankenspiralen, die meinen Alltag prägen. Warum ging es mir denn eigentlich so schlecht in letzter Zeit? Wie immer sind es mehrere Parameter, die zusammengespielt haben. Die Absage nicht im Unternehmensgründungsprogramm des AMS teilnehmen zu können nahm mir den Wind aus den Segeln und den Anker, an dem ich mich festzuhalten versuche. Ich wusste nicht, wie ich mir das Wissen, das ich für die Gründung in die Selbstständigkeit benötige, aneignen soll.

Ich bekam einen Wahnsinnsauftrag als Künstlerin, nämlich sämtliche Büroräumlichkeiten einer großen Kanzlei mit meinen Bildern auszustatten. Jap, das war ein tolles Hoch und gab mir definitiv viel Auftrieb. Allerdings ist der Auftrag bis heute nicht komplett in trockenen Tüchern, da meine Ansprechperson ein Monat auf Urlaub war und die Vorstellungen anfangs sehr auseinander gehen. Dabei hätte ich so gerne schon längst angefangen. Ich hänge also hier in der Luft und fühle mich ohnmächtig.

Die alltäglichen Herausforderungen nicht zu viel alleine zu sein, immer soziale Kontakte zu planen und mir Beschäftigungen zu suchen, fielen mir in den letzten Wochen besonders schwer.

Und dann war da noch das Wetter… Vielleicht klingt es albern, aber wenn man nur zu Hause ist, es 17 Grad im Haus hat (ja, ich weigere mich die Heizung im Juni einzuschalten!), und man nicht in den Garten gehen kann, weil es ständig schüttet, schlägt das auf die Stimmung. Ich fühle mich eingesperrter als sonst und laufe auf der Stelle in meinem ganz persönlichen Alltagstunnel.

Aber auch Ängste nehmen momentan einen Großteil meiner Kapazitäten in Anspruch. Es ist die Angst vor der Zukunft und vor neuen Herausforderungen als noch nicht 100 % genesene Person.

Ich habe Angst vor Überforderung, vor Stress, davor, nicht den passenden Job und keine Erfüllung darin zu finden. Ich habe Angst vor der Selbstständigkeit als Künstlerin, davor, dass ich kein einziges Bild mehr verkaufe, dass ich „versage“ – Versagen heißt für mich: nicht „erfolgreich“ zu sein. Ich habe Angst, zwei Tage am Stück alleine zu sein und mit niemandem face-to-face reden zu können, davor, dass ich für den bevorstehenden Tag nichts geplant habe, nicht produktiv zu sein – zugegeben, das klingt auch für mich noch nach Aufarbeitung meines Burnouts ;-). Es zeigt allerdings gleichzeitig, wie tief diese Überzeugungen und Wertevorstellungen bei mir immer noch verankert sind.  

Ich habe Angst, dass mein Leben an mir vorbeizieht, während ich langsam zurückfinde und sich die Welt gefühlt immer schneller dreht. Es stresst mich, dass ich mit 30 eine neue berufliche Perspektive aufbauen muss und ich noch nicht weiß, was ich eigentlich will.

Das waren sie, die Lows bzw. die Zutaten dafür.

Es gab aber auch Highs, vor allem in den letzten Tagen: Es hat sich herausgestellt, dass ich DOCH am Unternehmensgründungsprogramm des AMS teilnehmen darf. Juhu! Ich hatte einige schöne Gespräche mit meinen Freundinnen und Freunden. Zwar hat sich mein Ansprechspartner für den Malauftrag noch nicht gemeldet, jedoch habe ich ein ganz konkretes Konzept ausgearbeitet und bin mir dabei ziemlich sicher, was ich möchte.

Die Sonne scheint wieder (!) und meine Stimmung hat sich merklich angehoben. Ich habe eine wunderschöne Radtour mit einem Freund hinter mir und konnte Natur und Bewegung tanken.

Es stehen einige tolle Termine in nächster Zeit auf dem Kalender, auf die ich mich sehr freue. Dadurch verringert sich etwas die Angst vor Beschäftigungsleere und Einsamkeit.

Ich hoffe, das High hält an!

Ich halte euch auf dem Laufenden! Schöne Zeit inzwischen und genießt die Sonne!

2 Antworten zu „Höhen und Tiefen”.

  1. Avatar von
    Anonymous

    hi esther,, bin sehr froh, neue wahrnehmungen deines lebens MIT /IM/NACH burnout von dir zu lesen-du zeigst stärke,entwickelst perspektiven+machst pläne-SUPER!!

    DIESEN WEG KANNST NUR DU GEHEN-sonst niemand!

    bon courage,meine liebe – du schaffst es!

    alles liebe aus ganzem herzen

    christine

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    1. Avatar von brennbar
      brennbar

      Liebe Christine, danke für deine aufbauenden Worte. Ich freu mich immer sehr, dass du meine Beiträge so fleissig ließt!
      Auch dir alles Liebe,
      Esther

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