Ein Burnout im Burnout

4–6 Minuten
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Es ist wie verhext. Sobald ich mich gesundheitlich in sicheren Gewässern fühle, es mir nämlich besser geht und ich dies auch in einem Beitrag fröhlich verkünde, zeigt mir mein Burnout, dass es doch noch da ist. Nur um mal wieder „Hallo“ zu sagen, um mir zu zeigen wie mächtig es ist, dass es mich immer noch lahmlegen kann und um mir zu zeigen wie weit ich von einer Genesung entfernt bin.

Tja, ihr könnt es euch denken, es geht mir wieder schlechter. Diesmal in einem Ausmaß, das ich nicht geglaubt hatte nochmal erreichen zu können. Was dazu geführt hat? Verschätzen mit Energie und zu einem gewissen Grad auch Sturheit. Mein Kopf hat sich wieder mal durchgesetzt und mein Körper wehrt sich nun dagegen – eh klar.

Zugegeben es waren zwei wirklich sehr gefüllte Wochen, teils mit schon länger vereinbarten Besuchen, teils mit spontan hineingequetschten sozialen Terminen. Meine Familie aus allen Landesteilen war für ein paar Tage zu Besuch, und da ich meine Cousinen aus diesem Grund nicht so oft sehe, wollte ich möglichst viel Zeit mit ihnen verbringen. Obwohl ich die vielen Menschen in einem Raum nicht als akute Energiebedrohung gesehen habe, hat es mir aber logischerweise dennoch einiges davon geraubt. Hinzu kam dann noch an einem Tag die körperliche Anstrengung, da ich eine kleine Wanderung mitgemacht hatte – eine riesen Errungenschaft für mich. Es war aber dann doch zu viel, weil ich später noch einen weiteren Termin zum Spielenachmittag hatte. Das war dann der Anfang vom Ende. Warum ich dachte, ich könne so viel an einem Tag schaffen, weiß ich leider selbst nicht mehr. Übermut, Freude an Gesellschaft und Euphorie über verschiedene neue, mögliche Aktivitäten. Aber selbst für einen gesunden Menschen wäre das Pensum viel gewesen. Weiter ging es mit dem Junggesellinnen Abschied meiner besten Freundin, den ich als Trauzeugin organisiert hatte. Dafür traf man sich in München. Die Aktivitäten waren alle durchaus gemütlich, dennoch war die Anreise und Abreise am selben Tag ein Energiekonsument. Ich hatte aber noch nicht genug an dem Tag: Abends war dann das große Familienfest, für das alle angereist waren. Also fuhr ich direkt von München zum Fest. Spätes zu Bett gehen und wiederum von vielen Menschen umgeben sein brachte mich hier schon sehr gefährlich nahe an die Grenze. Der nächste Tag war ebenfalls schon vorab gefüllt mit sehr schönen aber auch – ihr erahnt es schon – energieraubenden Aktivitäten. Ein Spaziergang und ein Besuch einer Freundin gaben mir dann den Rest. Dann war die Grenze zum ersten Mal überschritten. Der erste (!) „Crash“ folgte.

Ich hatte zum Glück einige Tage zum Erholen und konnte auch einige meiner Energien wieder sammeln.

In der darauffolgenden Woche erwartete ich Besuch von meinem ehemaligen Mitbewohner aus Rom. So sehr es mich auch gefreut hat ihn wieder zu sehen, so sehr machte es mir Angst einen Gast für fünf Tage bewirten zu müssen und mit ihm den einen oder anderen Programmpunkt zu planen und umzusetzen. Obwohl ich mich an einigen Tagen halbtags bzw. sogar ganztags aus dem Geschehen genommen hatte um zu rasten, überschritt ich an Tag drei wieder die Grenze. Der zweite „Crash“ war die Folge. Ich rettete mich von Tag zu Tag in dem ich viel Zeit horizontal verbrachte, dennoch konnte ich meinem Körper nicht das geben was er eigentlich gebraucht hätte: Absolute Ruhe. Wir hatten eine nette Zeit, keine Frage, dennoch war es für mich eine enorme Belastung und ein Stress. Am Tag seiner Abreise hatte ich – welch Überraschung – wieder etwas geplant. Einen Ausflug zum See in netter Gesellschaft, auf den ich mich sehr gefreut hatte. Mein Körper war aber schon so weit über der Grenze, dass jede Aktivität zu viel war. Und sei es nur am See liegen.

Der nächste Tag brachte dann einen halben Tag Pause und eine Geburtstagsfeier, die mir sehr wichtig war. Nach drei Stunden trat ich den Heimweg an, völlig erschöpft. Ich landete um 18:30 Uhr im dunklen Schlafzimmer und konnte mich kaum mehr rühren: „Crash“ Nr.3.

Und dann war ich alleine mit meinen Symptomen, meinen Ängsten, meiner Enttäuschung und meinen kreisenden Gedanken. Ablenkung vom Unwohlsein, meinem angestrengten Herzschlag und der Überforderung war kaum möglich, denn die Reizüberflutung hatte mich fest im Griff. Kein Netflix, kein Handy, kein Buch konnten mir die Situation erleichtern. Nur ein leiser, im Hintergrund laufender Podcast begleitete mich eine halbe Stunde. Das blieb aber weitestgehend die Ausnahme.

Seitdem liege ich kontinuierlich mit vollem Symptom-Programm (Konzentrationsstörungen, Brainfog, hoher Puls bei Aktivität, etc…) und versuche gegen meine Sorgen und Ängste mit Positivität anzukämpfen. Es geht mir auch schon etwas besser vor allem abends…

Um ehrlich zu sein hatte ich an einigen Tagen am Vormittag aber richtig Panik und spielte sogar mit dem Gedanken das bevorstehende Coldplay-Konzert abzusagen und damit einen großen Lebenstraum von mir vorzeitig zu begraben. Durch meine Familie und meine Freund*innen habe ich aber so viel Zuspruch und Unterstützung erhalten – von der zur Verfügung Stellung der Unterkunft bis zum Begleitservice durch meinen Papa – sodass ich dem bevorstehenden Ereignis zwar immer noch mit Vorsicht aber auch mit großer Vorfreude entgegenblicke.

DANKE für eure Unterstützung! Was würde ich nur ohne euch machen…

Wir sind uns alle einig: Ich fahre zum Konzert!! Ich muss es einfach versuchen, denn ansonsten würde etwas in mir brechen. Durch die Absage würde ich meinem Burnout außerdem die Macht geben meine Lebensträume zu zerstören, und dazu bin ich nicht bereit. Es ist schon mächtig genug um mich in meinem Leben massiv einzuschränken und es fordert schon viel zu lange den Verzicht von geliebten Aktivitäten ein. Diesen Lebenstraum werde ich leben. #vivalavida

Drückt mir die Daumen, dass ich all die (schönen) Reize gut verarbeiten kann und das Konzert genießen kann. Wenn ihr diesen Beitrag lest, bin ich bereits in Wien und ruhe mich für das Konzert abends aus.
Danke für jeden guten Gedanken. 🙂

2 Antworten zu „Ein Burnout im Burnout”.

  1. Avatar von
    Anonymous

    liebe esther,

    Ich fuehle mit dir_es wird heller am horizont, du wirst stärker!

    alles liebe

    christine

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    1. Avatar von brennbar
      brennbar

      Vielen Dank liebe Christine für deine aufbauenden Worte!

      Alles Liebe
      Esther

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