Aufschwung und Ängste

4–7 Minuten
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Obwohl ich in diesem Beitrag nur davon sprechen wollte, wie gut es mir seit einiger Zeit geht, musste ich leider feststellen, dass es mir just in dem Moment, als ich den Beitrag schrieb, wieder schlechter ging. Ein Phänomen, das sich schon beim Schreiben eingestellt hatte, als ich mich noch im Burnout befand. Der Grund für meine akute Verschlechterung war eine erneute Corona-Infektion. Ich konnte kurzzeitig kaum noch etwas machen, nur liegen. Dank der Organetik, gings mir aber innerhalb von drei Tagen wieder recht passabel, Gott sei Dank. Mittlerweile kann ich wieder mein tägliches Programm abspulen und es ist nach wie vor ein Aufwärtstrend spürbar. So gut ging es mir generell lange nicht mehr! Ich versuche, täglich spazieren zu gehen und auf meine 5.000 Schritte zu kommen. Das gelingt mir auch durch Routine ziemlich gut.
Ich habe das Gefühl, stabiler zu sein, weniger schnell Einbrüche zu erleben (außer ich schnappe zum Xten Mal Corona auf) und mich schneller zu erholen. Auch durch neue Ernährungshacks, die den Blutzuckerspiegel konstanter halten sollen, erlebe ich weniger Energie-Achterbahnen am Tag.

Wie sieht also mein Alltag im Moment aus? Ich versuche nach wie vor, viel zu schlafen, weil ich immer noch das Gefühl habe, dass mein Körper die elf Stunden Schlaf braucht. Nach dem Frühstück mache ich mich zum ersten Spaziergang auf – 15 Minuten, immer dieselbe Strecke, damit ich mich nicht in der Anstrengung verzettle. Am Vormittag habe ich meist noch genug Energie, um entweder zu malen, zu kochen, einkaufen zu gehen, den Haushalt zu erledigen oder am Computer zu arbeiten. Natürlich nicht alles auf einmal, sondern ein, zwei Dinge dieser Liste. Meine obligatorische Mittagspause, in der ich meistens eineinhalb Stunden lag, ist nicht mehr so obligatorisch, wie sie mal war. Ich schaffe es meistens, auch nach dem mittäglichen Spaziergang noch Dinge zu erledigen und mich anschließend nur eine halbe Stunde hinzulegen. Manchmal vergesse ich auch gänzlich darauf. Strecken mit dem Auto zu fahren, ist auch keine große Herausforderung mehr. Generell benötige ich weniger Pausen und schaffe es, mich in den gemachten Pausen schneller zu regenerieren.

Ich bin jeden Tag so dankbar, dass ich wieder enorm viele Dinge machen kann – angefangen bei der Körperpflege (Haarewaschen, Duschen), aufgehört beim Einkaufen, Kochen oder Spazierengehen. So oft muss ich daran denken, wie schlecht es mir gegangen ist und wie mein Tag in meinen schwersten Stunden ausgesehen hatte. Hauptsächlich werde ich dabei einfach unfassbar dankbar; es ist mir aber auch eine präsente Warnung, die immer über mir schwebt. Daran geknüpft sind Ängste, mit denen ich mittlerweile oft zu kämpfen habe – manchmal mehr, manchmal weniger. Sobald wieder ein Symptom auftaucht oder sich verstärkt, steigt automatisch auch die Angst vor Verschlechterung. Als ich die letzte Corona Erkrankung hatte, war ich gerade alleine in Südtirol bei meiner Mama. Eine eineinhalbstündige Autofahrt zurück nach Hause, hat mir dermaßen Angst eingejagt, da ich mir nicht vorstellen konnte, mich so lange konzentrieren zu können. Ich konnte die verbleibenden Tage nur noch voller Angst an meine Rückfahrt denken und war davon vollkommen eingenommen.

Außerdem plagt mich dann eine existenzielle Angst – denn mit der erneuten Verschlechterung rückt der ersehnte und notwendige Arbeitswiedereinstieg in unbekannte Ferne. Auch die Angst, mich wieder mit Covid zu infizieren (berechtigterweise), begleitet mich mittlerweile bei jedem Einkauf, bei jeder Begegnung mit Freunden, beim Arztbesuch oder beim Besuch einer öffentlichen Toilette – eigentlich auf jedem Schritt, den ich außerhalb meines Hauses mache. Mein Immunsystem ist durch die lange Zeit zu Hause, aber auch durch die Erkrankung sehr geschwächt, wodurch ich ständig das Gefühl habe, etwas aufzuschnappen. Halsweh, rinnende Nase und vor allem eine leichte oder auch starke Verschlechterung des Allgemeinzustands sind an der Wochenordnung.

Ich glaube, mit meiner Geschichte ist es nachvollziehbar, dass ich auf keinen Fall wieder zurück möchte, wo ich war – sei es zum Burnout- oder zum Long-Covid-Tiefpunkt. Ich kann euch sagen, für jemanden, der sein bisheriges Leben größtenteils zwar mit Sorgen, aber ohne einschränkende Ängste verbracht hat, ist es eine enorme Umstellung, sich über derartige Dinge ständig Gedanken zu machen. Ich würde mich prinzipiell als mutigen Menschen bezeichnen und bin vor Herausforderungen selten zurückgeschreckt – ob bei meinen Auslandsaufenthalten, meinen Solo-Reisen oder beim Meistern schwieriger Zeiten. Immer bin ich fast mit dem Kopf durch die Wand, weil ich mich von nichts und niemandem einschränken lassen wollte – schon gar nicht von meinen eigenen Ängsten.
Heute begleiten sie mich ständig, und ich muss versuchen, einen gesunden Umgang mit ihnen zu finden, denn ich bezweifle, dass sie von heute auf morgen verschwinden werden. Wahrscheinlich werden sie weniger intensiv, vielleicht kommen aber mehr von ihnen hinzu.
Gerade mit dem Wiedereinstieg in einen Beruf kommen neue Herausforderungen, denen ich mich stellen muss.
Diese Ängste sind hauptsächlich dem Umstand geschuldet, dass ich mich auf meinen eigenen Körper wenig verlassen kann bzw. konnte. Ich muss erst wieder lernen, auf welche Ressourcen ich verlässlich zugreifen kann. Das gelingt mir wahrscheinlich nur mit Stabilität – die ich im Moment aufzubauen und zu halten versuche. Trotzdem ist diese Situation neu für mich – seit fast drei Jahren wohlgemerkt. Zum Glück bin ich psychologisch gut betreut, und auch der Austausch mit meiner Organetikerin hilft mir diesbezüglich sehr.

Meine Energien stecke ich gerade viel in die Malerei und alles, was dazugehört. Es gibt mir einen Vorgeschmack darauf, wie es ist, wenn man mehrere Stunden pro Tag arbeitet. Ich liebe es!
Im Moment ist es leider noch etwas zu früh, um an eine Anstellung zu denken, da ich meine Stabilität erst behalten muss. Dabei hätte ich so gerne eine Aufgabe, eine Absicherung und eine Tagesstruktur, die nicht nur von mir selbst gewählt ist. Und doch kann ich es mir im Moment einfach noch nicht vorstellen, das jetzt anzugehen. Recherchen im Internet bezüglich möglicher Jobs enden meistens mit Frustration, Angstgefühlen und Verwirrung, weil ich nicht so richtig weiß, was ich will und was gut für mich wäre. Ich muss bzw. möchte mir einfach noch Zeit geben, dieses neue Kapitel anzugehen.

Eins steht aber jetzt schon fest: Der Arbeitsmarkt wird eine neue Esther sehen. Die Esther von vor drei Jahren gibt es nicht mehr. Neue Präferenzen, neue Werte und Ideale, neue Interessen, neue Fähigkeiten und vielleicht auch neue Qualitäten kann ich anbieten. Mal schauen.

Wenn wer wen kennt, der wen kennt, der was weiß, wer einen Job anzubieten hat, kann sich jederzeit gerne bei mir melden. Ich bin für jeden Hinweis dankbar. Man kann nie wissen. 😉

2 Antworten zu „Aufschwung und Ängste”.

  1. Avatar von
    Anonymous

    Liebe Esther, ich freue mich mit dir, dass es wieder aufwärts geht!

    Herzliche Grüße,

    Thomas

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    1. Avatar von brennbar
      brennbar

      Vielen Dank lieber Thomas! 🙂
      Liebe Grüße
      Esther

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