Es sind nun heute genau drei Jahre, seit offiziell mein Krankenstand begonnen hat und ich mit letzter Kraft in mein jetziges Zuhause gezogen bin. Dass es insgesamt drei Jahre sein würden, in denen ich mich zu Hause auskurieren muss, hätte ich nie gedacht. Wahrscheinlich ist es auch besser, wenn man nicht alles weiß, was einem bevorsteht.
Es gab in der Burnout-Zeit neben den Tiefs auch viele Höhen: mehrere kleinere Reisen, unter anderem zum Gardasee, nach Wien oder nach Südtirol, ein Coldplay-Konzert, sogar Radtouren und viele Spaziergänge im Wald. Die zweite Hälfte, die Long-Covid-Zeit, war weniger aktiv und um einiges schlimmer als das Burnout. Es waren unzählige Stunden, die ich liegend, auf die Decke starrend, verbracht habe – teilweise ohne Hoffnung, ohne eine mögliche Perspektive, ohne zu wissen, was mit mir los war.
Natürlich frage ich mich, warum das gerade mir passieren musste, warum ich direkt nach meinem Burnout eine weitere Prüfung bestehen musste. Die Antwort, die ich für mich gefunden habe, ist, dass mich das Burnout noch nicht alles gelehrt hatte, was ich eigentlich hätte lernen sollen. Ich wurde zunächst eingebremst und musste mich an meinen Gesundheitszustand anpassen; sobald es mir aber besser ging, versuchte ich, das alte Tempo und die Definition über Leistung wieder aufzunehmen. Diese Lektion musste ich durch Long Covid auf die harte Tour lernen. Aber die gute Nachricht: Ich glaube, ich habe es jetzt kapiert. Nämlich mich nicht (nur) über Leistung zu definieren, meine körperlichen Grenzen zu respektieren und sie an oberste Stelle zu setzen, meine Geschwindigkeit drastisch zu verringern, Pausen als notwendigen Teil des Lebens zu sehen und die einfachsten Dinge nicht als selbstverständlich zu erachten.
Ich habe gelernt, meine Energien nur auf das Notwendigste zu beschränken. Dabei blieben viele alltägliche Dinge, die früher zu meiner Persönlichkeit gehört hatten, auf der Strecke. Zum Beispiel die Muße und Motivation, sich gut zu kleiden oder Dinge im Haus zu verändern, sei es auch nur saisonale Dekoration. Meine Träume habe ich teilweise auf Eis gelegt und mich noch nicht getraut, sie wieder aufzutauen. Alleine der Gedanke an den mir noch bevorstehenden Hausumbau oder an mögliche Reisen scheint mir in weiter Ferne. Meine Prioritäten liegen im Moment einfach woanders: mich selbstständig erhalten zu können, mir einen Alltag aufzubauen, der gut schaffbar ist, meine sozialen Kontakte zu pflegen und meinen Gesundheitszustand weiter zu verbessern, sodass ich irgendwann wieder Sport machen kann.
Manchmal schleichen sich Gedanken ein, wie dass ich doch etwas verpasse, wenn ich in diesem Tempo lebe, dass ich die Welt sehen muss, reisen muss etc. Dieses Müssen ist ein unangenehmes Wort und ein Überbleibsel meines Prä-Burnout-Ichs. Mein jetziges Ich hält dann dagegen – mit Müdigkeit, vielleicht kann man es auch Trägheit oder Bequemlichkeit nennen. Ich bin einfach so gerne zu Hause und habe meine Ruhe. Natürlich muss die Balance stimmen zwischen sozialen Interaktionen und Aktivitäten, die sich aber auf natürliche Weise immer mehr ausdehnen. Nur die großen Sprünge wollen noch auf sich warten lassen.
Ein Resümee
Drei Jahre zu Hause haben mich definitiv verändert. Ich bin gewachsen, habe an Reife und Lebenserfahrung gewonnen, die mir niemand nehmen kann. Ich habe eine Leidenschaft entdeckt und ein Business daraus aufgebaut. Ich habe eine Ausbildung absolviert und eine neue Fähigkeit entwickelt. Außerdem hatte ich viel Unterstützung von Familie und Freund:innen. Ein paar habe ich auf dem Weg verloren, aber so ist das eben – nicht jeder geht mit einem durch dick und dünn. Diejenigen, die mich begleitet haben, sind mir aber noch mehr ans Herz gewachsen, und ich bin dankbar für jede:n Einzelne:n.
Es war eine unglaublich schwierige, aber gleichzeitig wertvolle Zeit, die mir jetzt erlaubt, mein Leben auf eine andere Weise zu führen. Ich bin weniger getrieben und habe gelernt, auf meine psychischen und physischen Bedürfnisse zu hören. Das war wohl die schwierigste Lektion, die es zu lernen galt. Ich hoffe, dass ich die schwierigsten Jahre meines Lebens nun hinter mir habe – zumindest, was meine Gesundheit angeht. Natürlich ist das Leben immer ein Auf und Ab, aber ich wäre dem Universum dankbar, wenn es mich 2026 nicht auf die Aufgabenliste für besonders belastbare Menschen setzt. 2026 darf flutschen und blühen und scheinen und freuen.
Ein Ausblick
Im Dezember habe ich begonnen, mich für Jobs zu bewerben. Ich fühle mich soweit stabil, dass ich mir eine Anstellung im Ausmaß von 25 Stunden vorstellen kann. Leider war bis jetzt noch nichts dabei, das zu meinen Bedürfnissen passt und das ich mir vorstellen konnte. Eines steht fest: Mein Burnout hat mein Bewusstsein geschärft für Stellen, die unterbesetzt und überladen mit Arbeit sind. Deshalb schrillen bei mir schneller die Alarmglocken als bei jemandem, der solche Erfahrungen nie machen musste. Ich vertraue darauf, dass sich etwas ergeben wird, das zu mir und meinen Fähigkeiten passt. Esthetic|art wird mich weiterhin sehr beschäftigen, da ich einige Ausstellungen, Aktionen und Aufträge geplant habe.
Eine runde Sache
Drei Jahre war ich zu Hause, habe geweint, gerastet, gelitten, gelernt, gemalt und bin genesen. Mit 2026 beginnt ein neues Kapitel, in dem ich mich auf meinen neuen Alltag, auf neue Perspektiven, neue Aufgaben und neue Begegnungen konzentrieren will und dieses schwere Kapitel meines Lebens abschließen möchte. Als Teil dieses Kapitels werde ich diesen Blog ebenfalls mit 2026 schließen.
Danke fürs Mitlesen, Begleiten und Mitfühlen!
Es war mir eine riesige Erleichterung, so viele Menschen mit dem Blog auf diese Reise mitzunehmen und nicht bei jeder Begegnung die Geschichte von Neuem erzählen zu müssen. Das war zu Beginn der Grund für die Erschaffung dieses Blogs. Vielleicht entsteht irgendwann ein anderes Projekt aus den vielen geschriebenen Zeilen, Wörtern und Buchstaben …


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